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Eppinger Linie in Lomersheim

Mühlacker Tagblatt 18. Mai 2010



Wachturm in Niefern

mächtigen Palisaden der Eppinger Linie

hier ein Bild auf Höhe Maulbronn-Schmie

Die Eppinger Linien waren die befestigte Verteidigungslinie, die von Weißenstein bei Pforzheim über Eppingen bis nach Neckargemünd reichte. Sie wurde in den Jahren 1695 bis 1697 durch den Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden, auch „Türkenlouis“ genannt, errichtet, um französische Raubzüge im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697) zu unterbinden.

Gesichert wurden das Wall-Graben-System der Eppinger Linien durch Wachtürme. Die Nachbauten solcher hölzerner Wachtürme, Chartaque genannt, sind bei Eppingen und bei Mühlacker zu begehen. Ein weiterer ist ein 1988 auf der Waldschanz südlich von Niefern-Öschelbronn errichteter 12,5 Meter hoher hölzerner Aussichtsturm.

 

Entlang des Linienverlaufs führt der Eppinger-Linien-Weg, ein Wanderweg, der Teile des Naturparks Stromberg-Heuchelberg erschließt und mit Schautafeln über das Bodendenkmal informiert.

 

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Die EPPINGER LINIE von 1695-1697

im Stadtgebiet von Mühlacker

Bei den Sicherungsarbeiten 2006 / 2007 zur Revitalisierung der Burgruine Löffelstelz richtete sich auch der Blick auf deren Bedeutung im Verlauf der Eppinger Linie.

Schließlich wurde bei den begleitenden archäologischen Grabungen und Sicherung der Ostmauer (Schildmauer) „Ein Ost-West orientiertes Schwellfundament...” als „Unterbau einer Plattform” frei gegraben (1), das der Bauzeit der Eppinger Linie zu zuordnen ist. Die Löffelstelz hatte in deren Verlauf eine besondere Bedeutung: „Ruine und Redoute Löffelstelz (R 8)” war mit „Graben, Palisaden und Wehrgang gesichert”. In der „Schanz” standen zeitweise 150 Mann bereit. Weiter war Dürrmenz ein Hauptpunkt der „Landesdefensionslinie” und einer der drei Sammelplätze, ein sogenannter „Rendezvousplatz“ der verbündeten Truppen. So wird u.a. berichtet „...auf Dürrmüntz 4000 Mann ... zu schicken”.(2)

 

Die Eppinger Linie im Stadtgebiet Mühlacker

Der Verlauf der Linie im heutigen Stadtgebiet zwischen Sauberg - Mühlacker – Dürrmenz – Lomersheim war mit Stützpunkten dichter versehen, dies bedingt durch die von Natur in größeren Abschnitten waldleere Strecke und somit auch schwächere Pforte zwischen Stromberg und Schwarzwald. Ein wesentlicher Grund war auch die Einfallstraße nach Württemberg, die Illinger- und heutige Stuttgarter Straße, wie auch das Enztal, besonders zu schützen.

Wo sind nun diese Bauwerke zu lokalisieren?
Spuren dieser Redouten sind heute keine mehr vorhanden. Durch die Stadtentwicklung sind alle drei untergegangen.

Überliefert sind:

1.) Ulmer Redoute, R6, genannt Ulmer Schanz
2.) Fürstenbergschanze, R7a, Hauptmannstraße und
3.) Fürstenbergschanze, R7b, über dem Burgweg.

Die Lage dieser untergegangenen Standorte der Redouten soll versucht werden näher einzuordnen.

Ausgegangen wird von einem Zeitdokument (2) und der Interpretation aus neuerer Zeit.(5) Darüber hinaus wurden die Unterlagen der württembergischen Landesvermessung für Mühlacker von 1835, hinsichtlich der dortmaligen Grundstücksverhältnisse und deren Beschreibung, eingesehen.

Nach derzeitigem Kenntnisstand ergeben sich dadurch die nachstehend beschriebenen Standorte:

zu 1.) Ulmer Schanz
Dieser „Standort ist am östlichen Ende der heutigen Ludwigstraße und an deren Einmündung in den Maulbronner Hohlweg einzuordnen. Dort angrenzend lag der Wasserhochbehälter der Deutschen Bahn und ist heute (2008) überbaut. Die Lage der „Ulmer Redoute” wird „Ziemlich genau an dem Platz, an welchem heute über dem Bahnhof
Mühlacker der Hochbehälter der Bahnhofswasserversorgung liegt” genannt. Südlich davon wird der Verlauf des Grabens „östlich neben der alten katholischen Kirche” (heute Gebäude 22 Ziegeleistraße) beschrieben.(3)

Die Darstellung einer ca. 60 Meter Nord-Süd verlaufenden Böschung in der Urkarte von 1835, könnte diese Beschreibung bestätigen. Diese „Ulmer Redoute” gibt diesem Baugebiet die allgemeine Bezeichnung „Ulmer Schanz”.

zu 2.) Fürstenbergschanze, Hauptmannstraße
Diese Schanze scheint eindeutig auf dem Gelände des heutigen Gebäudes Nr. 11 Hauptmannstraße (bekannt als „Storchennest”) gelegen zu sein. Anfang der 1920er Jahre waren sichtbare Hinweise eindeutig noch vorhanden, die die obige These(4) bestätigen, denn „die Anlage im Saitenloch fiel erst 1922 einem Hausbau zum Opfer”.(5)

Weiter sprechen die Lage und der einstmalige Zuschnitt der Flurstücke im Jahre 1835 und bis zur o.g. Bebauung mit einer Villa dafür. Auch wird die Gewandbezeichnung der unmittelbar nordöstlich angrenzenden Ackergrundstücke, in der Urkarte der württembergischen Landesvermessung, mit „Hinter der Schanz” bezeichnet.

zu 3.) Fürstenbergschanze, über dem Burgweg
Die Lage dieser Schanze ist der heutigen Einmündung des Gaußweges in die Bassanostraße zuzuordnen. Bemerkenswert war der Zuschnitt der dortigen, früheren Grundstücke bis zur Baulanderschließung „Senderhang”. Diese Flurstücke hoben sich deutlich als eine Insel von den umgebenden Grundstücken ab. Auch war die Topografie gegenüber dem Umland herausragend. So war das Gelände gegen den nördlich und nordöstlich anschließenden Feldweg deutlich erhöht und durch einen nördlichen Steilhang geprägt. „Die Spuren der Redouten sind zum Teil noch vorhanden” ist Knöller zu zitieren. (4)(6)

 

Der eigentliche Verlauf der Linie im Stadtgebiet ist durch zwei Hinweise belegt:

a) Ulmer Schanz – Hauptmannstraße
„am jetzigen Zollamt (heute Gebäude 81 Hindenburgstraße) vorbei auf die Höhen des Gewanns im Hauptmann.

sowie

b) Hauptmannstraße – Gaußweg/Bassanostraße
„zwischen Haus Nr. 42 und 44 der Illinger Straße über diese Straße hinauf zur wohlerhaltenen zweiten Fürstenbergschanze (R 7b)...”(7) (heutige Gebäude 44 und 46 Stuttgarter Straße). Was war der Anlass überhaupt zur Errichtung so einer Befestigungslinie
Nach dem Tode des Kurfürsten von der Pfalz erhob Ludwig XIV. widerrechtliche Erbansprüche für seine Schwägerin Lieselotte auf das Land. Als sie ihm verweigert wurden, gab er Befehl, die Pfalz zu verbrennen was ab 1688 geschah. Die Uneinigkeit der deutschen Heerführer ermöglichte es den Franzosen bereits 1689 die Städte am Rhein, dann Heidelberg, aber auch Bretten und Pforzheim zu verbrennen. Der Name des französischen General Mèhlac wurde zur Geisel des wehrlosen Südwestdeutschland.

1692 wurde u.a. Pforzheim durch franz.Truppen besetzt. Bei Ötisheim wurde darauf ein befestigtes Lager errichtet um dem Feind den Einbruch nach Württemberg zu verwehren. Ungeschickte strategische Entscheidungen führten aber dazu, dass die Regimenter unter Herzog-Administrator Friedrich Karl von Württemberg unrühmlich zerschlagen und in Panik jeder sein Heil in regelloser Flucht suchte. In die Französische Militärhistorie ging das Gefecht als „Combat de Pforzheim” ein. Zur Erinnerung lies Ludwig XIV. sogar eine Medaille schlagen.

Für die Umgebung von Mühlacker waren die Folgen verheerend. Ötisheim wurde bis auf den Pfleghof verbrannt, ebenso Lienzingen und Knittlingen, sowie Dürrmenz ausgeplündert.

Diese Niederlage zeigte die Notwendigkeit, die einzelnen Armeen einem zentralen Kommando zu unterstellen. Der vor Wien gegen die Türken siegreiche Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, genannt „Türkenlouis”, wurde schließlich mit dem Oberbefehl betraut. Der Markgraf erkannte, dass nur eine „Landesdefensionslinie” das dahinter liegende Gebiet schützen konnte.

Darauf hin wurde in den Jahren 1695 – 1697 die so bezeichnete ”Eppinger Linie” errichtet. Weil die der Linie angrenzenden Ortschaften oft menschenleer waren, wurden aus allen württembergischen Ämtern Untertanen zum Bau herangezogen, die als
„militärische Fron” bezeichnet wurde. Oft sammelten sich in den Schanzgräben die Allerärmsten, ungenügend bekleidet, ohne brauchbares Schuhwerk und ausgehungert. Zur Unterbringung der Schänzer wurden Baracken erstellt wie in Dürrmenz und dem
heutigen Schönenberg.

Der Aufwand dieser Zeit lohnte sich. Die Linie wurde nie ernsthaft angegriffen. Feindlicherseits wurde die Verteidigungslinie mit Respekt registriert.

 

Wie wurde nun die Eppinper Linie gestaltet?

Dort wo keine natürliche Hindernisse, wie Wald und Flussläufe bestanden, wurde die Befestigungslinie künstlich angelegt. Diese bestand zur Feindseite aus einem bis zu 100 Schritt breiten Verhack, wozu auf freiem Feld die Bäume recht mühsam und oft von weit her angeschleppt werden mussten. Hinter dem Verhack wurde ein Graben mit steilen Böschungen angelegt, wobei der Bodenaushub zu einem Wall aufgeschüttet wurde. An besonders gefährdeten Stellen waren Palisaden rechtwinklig zur Böschungsneigung eingerammt.

Darüber hinaus wurden in überschaubaren Abständen Wachttürme erstellt, die auch eine Signalgebung erlaubten. Diese sogenannten Chartaquen waren turmartig als Blockhäuser mit Schießscharten gebaut. Ringsum war ein tiefer mit Palisaden gesicherter Graben angelegt.

Auf dem Sauberg und südwestlich von Niefern wurden in den letzten Jahren solche Chartaquen wieder errichtet.

Erdbauwerke (Redouten) wurden an strategisch wichtigen Stellen angelegt. Das waren Erdschanzen mit umlaufenden tiefen Gräben, die zusätzlich durch Faschinen und Zugbrücke gesichert waren. Ein Wachtturm mit Schießscharten dienten zugleich der Mannschaft als Unterkunft.

So wurden meist Viereckschanzen, aber auch Sternenschanzen angelegt. Ein Beispiel ist die im Stadtgebiet Mühlacker, auf Markung Lienzingen, gelegene beherrschende Anlage auf dem Sauberg oberhalb von Schönenberg – Ötisheim.

Au f großen Abschnitten unserer heimischen Wälder sind diese Gräben und Redouten noch deutlich zu erkennen. Auch ist den amtlichen Topografischen Karten deren Verlauf und Lage dargestellt.


(Quelle: Walter Geißel, Oktober 2008)

 

Literatur und Quellen

1) Tilmann Marstaller, aus „Archäologische Ausgrabungen Baden-Württemberg, 2006 und Zweites Jahr Löffelstelzer Scherbabuzzer 2006-2007 (Seite 53)

2) Die „Eppinger Linien“ s. oben

3) wie 2), Seite 4

4) wie 2), Seite 20

5) Knöller, Karl, siehe oben Seite 259

6) wie 5), Knöller wählte die Bezeichnung „über dem Burgweg“ in Anlehnung an den dortmals gebräuchlichen Gewandnamen. Der heutige Gaißbergweg hieß vor dem Burgweg. Vielen Älteren (so um Jahrgang 1929) ist diese Schanz als Startplatz einer Schlittenbahn hinunter an den Reutweg bzw. die Stuttgarter Straße noch in Erinnerung.

7) wie 2), Seite 20

8) Konstantin Huber, Der Enzkreis-Schriftenreihe des Kreisarchiv 1993: Karte „Die Gegendt umb Derrmüntz …“

Allgemein:
OA-Beschreibung Maulbronn, 1870 Rümelin, Eduard, Die ”Eppinger Linien”, Lienzingen/Stuttgart, 1930
Knöller, Karl, Unser Dürrmenz-Mühlacker, 1928 Der Enzkreis – Schriftenreihe des Kreisarchiv, Konstantin Huber, 1993
Zwischen den Fronten, Das Pforzheimer Umland im Pfälzer Erbfolgekrieg (1688-1697)
Kicherer, Friedrich, Der Enzkreis Jahrbuch 87/88, Unsere Heimat im Pfälzer Krieg (1689-97)
Verm.-Amt beim Enzkreis: Urbroullion und Urkarte der württembergischen Landesvermessung sowie Primärkataster
Schäfer, Gerd, „Die Bedeutung der Eppinger Linie für Lomersheim“, Thomas Adam/Konrad Dussel „Lomersheim an der Enz“, 2000, S. 68 ff